Bienentagebuch

Alnatura Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter helfen Bienen

Alnatura Gewinnspiel


Bienenkurs-Schwärmerei eines Stadtmenschen

Juni 1st, 2008 · 1 Kommentar

Als typischer Stadtmensch glaubte ich, mit Bienen eigentlich gar nichts „am Hut zu haben“. Schon ihr leises Summen in meiner Nähe klang für mich nach Bedrohung und ich fuchtelte wild mit den Armen umher, wenn sich eine Biene – vom süßen Duft meines Apfelkuchens angelockt – sogar auf meinen Tellerrand zu setzten wagte. „Selber Schuld, wenn sie meinen Kuchen auch nicht in Ruhe lässt“, so dachte ich oft gedankenlos. Der Zusammenhang zwischen meinem Apfelkuchen, der Biene und mir schlummerte irgendwo in meinem Unterbewusstsein. Die Leitung war gekappt: Kein Anschluss unter dieser Nummer! Die Kommunikation mit der Natur war mehr oder weniger unterbrochen und meine Verbindung zu ihr, meine Stellung in ihr als ein Teil meiner eigenen Identität auf diese Weise verloren gegangen.

Für einen Stadtmenschen wie mich war der hautnahe Kontakt zu den Bienen beim ersten Teil unseres Bienenkurses eine Grenzerfahrung und gleichzeitig ein Schlüsselerlebnis: Es ist, als hätte jemand einen Schalter angeknipst und Licht in einen dunklen Teil meines Inneren gebracht oder als hätte jemand ein Relais umgestellt und eine unterbrochene Stromleitung repariert. Plötzlich war der Bezug (wieder) hergestellt. Auf reiner Gefühlsebene wurden verstopfte Kommunikationskanäle freigelegt, auf denen nun ganz neue Erkenntnisse, Verständnis, Bewunderung und Freude einkehren konnten. Selbst ohne ein einziges gesprochenes Wort wäre ich an diesem Tag reich beschenkt nach Hause gegangen!

Ich werde mich noch wochen-, monate-, vielleicht jahre- oder sogar ein Leben lang über die intensiven Erfahrungen und Selbsterkenntnisse in diesem Bienenkurs freuen. Und aus meiner nicht nachlassen wollenden Begeisterung heraus ist 3 Wochen danach in meinem Kopf eine wahre „Bienenkurs-Schwärmerei“ in gedichteten Versen entstanden, die ich allen an diesem Projekt beteiligten „Kommunikationskünstlern“ zum Dank widme:

an erster Stelle Herrn Prof. Dr. Rehn für die Ermöglichung solcher Erfahrungen und die entsprechenden Rahmenbedingungen / Frau Schneyer, Leiterin der Abteilung Kommunikation, für die zündende Idee, die Organisation und ihre ansteckende Begeisterungsfähigkeit / den beiden Demeter-Imkern Herr Friedrich und Frau Weirich für ihre ganz besondere Art, ein tiefes Verbundenheitsgefühl der Kursteilnehmer mit den Bienen zu erwecken und beide Seiten füreinander zu gewinnen /und last but not least den Bienen für ihre erstaunliche Kommunikationsbereitschaft und ihren Zauber, mit dem sie jeden, der sich auf sie einlässt, ganz unaufdringlich, aber bedingungslos und unweigerlich auf ihre Seite ziehen – ganz besonders aber auch für ihre Großzügigkeit, uns an diesem Tag ausschließlich mit ihrer Schönheit und ihrem Charme zu „bestechen“.

„Bienenkurs-Schwärmerei“

Frau Schneyers Mail machte die Runde:
Vom Bienenkurs war da die Kunde.
Geweckt war gleich mein Interesse,
weil süßen Honig ich gern esse
und von der Biene nicht mehr weiß,
als dass sie arbeitet mit Fleiß
und ob des kurzen Lebens toll
viel Sex mit Blumen haben soll.

Dies Wissen war nicht grade viel,
drum war Erweiterung mein Ziel.
Ich packt‘ zusammen all mein‘ Mut
– weil doch die Biene stechen tut –
und meldete mich tapfer an,
weil Lernen ja nie schaden kann.
Und solch eine Gelegenheit
kommt so schnell nicht mehr weit und breit.

Als es dann endlich so weit war,
galt es zu bannen die Gefahr:
Vermummt mit Kleidung ohne Ritze
– trotz Sonnenschein und großer Hitze –
versuchten wir uns gut zu schützen
vor diesen Tierchen, die viel nützen.

Per Zufall saß – man glaubt es kaum –
ein Bienenschwarm im Kellerraum,
in aufregender Aktion
gefangen vor zwei Tagen schon.
Vom Kurs erhoffte Zahlen, Fakten
legte ich recht bald zu den Akten,
als Imker Friedrich uns erklärte,
wie diesen Bienen man sich näherte:
Nicht Fragen stellen, schlug er vor,
sondern zu öffnen Aug und Ohr,
mit allen Sinnen, rein und pur
uns einlassen auf die Natur.

Sein Plan ging auf: Im Keller schon
ergriff uns die Faszination,
als man das leise Lied vernahm,
das von dem Schwarm im Eimer kam,
den wir dann still auf leisen Sohlen
behutsam in den Garten holen.
Denn heute sollte dieser Bien
in seine neue Wohnung zieh’n.

Und als Frau Weirich ruhig und sacht
den Deckel endlich aufgemacht,
da war’s um uns vollends passiert
und alle waren angerührt
vom Bienenknäul, das vor uns lag
an diesem wunderschönen Tag.
Von Rauch und Wasser leicht beschauert
hat es ‘ne Weile dann gedauert,
geschätzte ein dreiviertel Stunden,
bis in den Kasten es gefunden.

Später durften wir betrachten,
was die Bienen dort so machten.
Fasziniert mit „oh“ und „ah“,
„guck mal hier“ und „sieh mal da“
ließen sie uns stolz beschauen,
wie sie ihre Waben bauen.
Wachs und Honig, Brut und Pollen,
alles, was wir sehen wollen,
zeigten sie uns frank und frei,
als ob’s ganz selbstverständlich sei.
Arbeitsbiene, dicke Drohne,
Königin – auch ohne Krone -,
die Bienen zogen Frau und Mann
in einem Nu in ihren Bann.

Und die Herzen in uns hüpften,
als zwei Arbeitsbienchen schlüpften.
Welch ein Zufall, welch ein Glück!
Doch wir hielten uns zurück,
zart zu streicheln ihren Flaum,
denn das trauten wir uns kaum.
Riesengroß war unser Stutzen,
denn sogleich begann das Putzen
nur mit ihrem kleinen Rüssel
und ganz ohne Wasserschüssel.
Den Ruf als fleiß’ges Bienenkind
haben sich die beiden schon verdient.

Ja, man sah hier ganz genau,
wer hier Mann und wer hier Frau:
klein die Frau und groß der Mann,
der zum Glück nicht stechen kann.
Gemütlichkeit ist seine Masche,
sitzt den andern auf der Tasche.
An Arbeit find’t er kein Entzücken,
‘ne Königin will er beglücken.
Nur gut, dass der nicht ahnen wird,
was kurz danach mit ihm passiert.
Träumend nur von seinem Schatze
fliegt er bald zum Sammelplatze.
Doch nach der Liebe – welche Not! –
wird er finden gleich den Tod.

Die Königin mit roten Beinen
– fast burlesk, so könnt‘ man meinen –,
gepaart mit an die zwanzig Drohnen,
– denn ein Hochzeitsflug muss lohnen -,
ließ sich von den Ammen pflegen,
schöpfte Kraft zum Eierlegen.
Mit buntem Pollen an den Beinen
zeigten uns die süßen Kleinen,
wie sie in den Bau ihn tragen
und befüllen ihre Waben
mit dem eiweißreichen Gut
für die ewig hungrig Brut.
Dass dabei die Einflugschneise
wir versperrten, gar nicht weise,
das verziehen sie uns stumm,
flogen einfach um uns rum.

Und als wir die Finger strecken
in die Waben, um zu schlecken,
vernahm ich ein gesummtes Raunen:
„Guckt mal, wie die uns bestaunen!“
Die Bienen scheinen eitel minder
nicht zu sein als Menschenkinder.
Denn sie schienen, man konnt’s sehen,
gern im Mittelpunkt zu stehen.
Und ich glaube ganz entschlossen,
dass auch sie den Tag genossen.
Denn sonst hätten diese Massen
uns doch nie in Ruh gelassen.
Frieden lag an diesem Ort
und niemand wollte hier mehr fort.

Unter strahlend blauem Himmel
mitten drin in dem Gewimmel
lag ein ganz besond‘rer Duft
und ein Zauber in der Luft.
Ich fühlt‘ mich wie im Traum entrückt,
war von den Bienen ganz verzückt.
Herr Mühling, Brettnich und Frau Schneyer
und auch Frau Beck im weißen Schleier
schien‘ aus einer andren Welt,
irgendwie ganz neu beseelt.

Etwas war mit uns geschehen,
wer dabei war, wird’s verstehen:
Vergessen waren Raum und Zeit,
Stress und Hektik meilenweit.
Verflogen war’n die Alltagssorgen,
niemand dachte mehr an morgen.
In diesen Stunden voller Glück
fand ich zu mir selbst zurück.
Eins zu sein mit der Natur
wirkt weit mehr als eine Kur.
Nur durch Schauen, Riechen, Schmecken
lassen Wunder sich entdecken.
Und kein Buch kann uns je lehren,
diese Schönheit zu verehren,
sie zu achten und bewahren
gegen jegliche Gefahren.

Den Imkern großer Dank gebührt:
Wie sie uns heute angeführt,
das war in höchster Perfektion
Kunst der Kommunikation.
Den Bienenschönheitssinn zu wecken,
sollte dieser Kurs bezwecken.
Das Ziel, das beide sich erhoffen,
haben weit sie übertroffen.
Wer sich Zeit nimmt zum Besinnen,
wird es fühlen ganz tief drinnen:
Der Schwarm aus unsrem Plastikeimer,
– widersprechen wird hier keiner –
zog nicht nur in sein neues Heim,
nein auch in unsre Herzen ein.

Birgit Hartnagel

Tags: "Bee-Art"