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Serie: Kleines Imker-Tagebuch | Mai 2017

Mai 4th, 2017 · Keine Kommentare

››› Das Imker-Tagebuch stammt von Anja Waldmann. Anja arbeitet schon über 17 Jahre für Alnatura. Seit vergangenem Jahr steht ein Bienenvolk in ihrem kleinen Garten. Jeden Monat lässt sie uns an ihren Imker-Erfahrungen teilhaben.

Mai 2017:

Die Bienen schwärmen aus. Und zwar nicht nur, um Nektar und Pollen zu sammeln. Nein, etwa ab Ende April geraten viele Völker in sogenannte Schwarmstimmung – und das hat nichts mit Nahrungssuche zu tun, sondern ist ihre naturgegebene Form der Vermehrung. Es beginnt, indem die Arbeiterinnen – meist am unteren Ende einer Wabe – eine oder mehrere auffällig große runde Zellen bauen. Ein jeder Imker wird diese mit Sicherheit sorgfältig beobachten. Vielleicht sind es zunächst leere »Spielnäpfchen«, sprich: Zellen, die lediglich signalisieren, dass sich die Bienen mit dem Gedanken des Schwärmens tragen. Hat die Königin hingegen bereits ein Ei in solch eine Nachzuchtzelle gelegt, meint sie es ernst mit der Fortpflanzung. Die Arbeiterinnen werden die Larve mit einem besonderen Futter versorgen, dem Gelée royale. Im Laufe der nächsten 16 Tage entwickelt sich hier eine zweite Königin. Doch bekanntlich kann in einem Volk nur eine Majestät regieren. Daher verlässt die alte gemeinsam mit etwa der Hälfte des Staates ihren Stock und überlässt diesen der neuen Regentin. Der Auszug der Königin ist ein imposantes Spektakel, welches der Beobachter wohl nie vergessen wird. Nach einer ungewöhnlichen Ruhe vor dem Stock strömen plötzlich Tausende Bienen heraus, um sich kurz darauf in nächster Nähe zu sammeln. Meist in einer Baumkrone.

Ein Bienenschwarm ist eine imposante Erscheinung aus mehreren tausend Bienen und einer Königin. Auserwählte Kundschafterinnen starten von hier ihre Suche nach einem neuen Zuhause für das Volk.

Und nun? Man kann den Schwarm ziehen lassen und hoffen, dass er ein geeignetes Zuhause findet. Ein er­fahrener Imker wird sein Volk einfangen wollen. Oder – und das ist die Gretchenfrage der Imkerei – schon im Vorfeld das Schwärmen verhindern. Der massivste Eingriff ist das Beschneiden der Königinnenflügel. Sie wird beim Versuch des Ausfluges fallen und ihr mitziehendes Volk nach kurzer Zeit ratlos in den Stock zurückkehren. Für die meisten Bienenhalter ist diese Praxis glücklicherweise tabu. Eine häufig praktizierte ­Alternative, auch für Hobbyimker wie mich: Man entnimmt die Wabe mit der Königinnenzelle und gibt sie gemeinsam mit ein paar Hundert jungen Arbeitsbienen in eine leere Bienenkiste. Mit etwas Glück zieht man so ein Jungvolk heran und nimmt dem alten seinen Schwarmdrang. Spricht man aber – wie in der Demeter-Imkerei – von wesensgemäßer Bienenhaltung, so lässt man das Volk tatsächlich schwärmen, um es dann wieder einzufangen. Ich ziehe den Hut vor dieser wohl natürlichsten Sicht auf menschliche Bienenhaltung.

Lese-Tipp: »Bienendemokratie« von Thomas D. Seeley, Professor am Fachbereich für Neurobiologie und Verhalten an der Cornell University. Seit Jahrzehnten untersucht Seeley das Leben und die Demokratie der Bienen. In diesem Buch fasst er seine gesamte Forschung zusammen – auf wissenschaftlich fundierte und packend geschriebene Art und Weise. Fischer-Verlag, Frankfurt am Main 2015, ISBN 978-3-596-19407-0, 12,99 Euro.

Tags: Imker-Tagebuch von Anja Waldmann

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